Dimitri SchostakowitschDmitri Schostakowitsch

Symphonien Nr. 5, 8 & 9
Suite aus „Hamlet“

Andris Nelsons, Boston Symphony Orchestra
DG /Universal 479 5201 2CDs Audiophil

Schostakowitsch war ein Meister musikalischer Doppelbotschaften. Nicht zufällig erinnern Ironie und Überzeichnung wie auch die Sehnsucht nach Erlösung an Mahler. Schostakowitsch tarnte sich in der Sowjetdiktatur „nach allen Regeln seiner Kunst“ und wurde erst durch die 5. Symphonie wieder in den Kreis der Staatskomponisten aufgenommen. Nach absoluter Trauer, die in den ersten Takten Millionen niederstürzen lässt, baut sich eine mahlerische Apotheose (ähnlich dessen Siebenter) bis zum knalligen Marschfinale auf, wo sich Zarathustra und Bartok umarmen. Die düstere Achte (1943) stellt den Schrecken des Kriegs dar, während sich die symbolträchtige Neunte nicht als erhoffte patriotische Ode an den Sieg über Deutschland entpuppte, sondern als Pathos-geschwängerte, mit zahlreichen klagenden Todesmotiven angereicherte Passion. Andris Nelsons, der neue Chef auch in Boston, lässt die Verzweiflung dieser Werke niemals plakativ überborden, sondern unheimlich unterschwellig wirken: Klang-Schönheit maskiert Tränenspuren. Daran hat auch die hervorragende Tontechnik (Shawn Murphy) mit ihrer guten Bühnenwirkung der Symphony Hall, satten Klangfarben und exemplarischer Dynamik hohen Anteil. Die Alternative zu Gergiev (Arthaus; Blu-ray), Jansons (Warner) und Petrenko (Naxos). Ludwig Flich

 

 

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