Johann Sebastia Bach, Cembalokonzerte, Andreas StaierJohann Sebastian Bach

7 Cembalokonzerte
BWV 1052 – 1057

Andreas Staier (Cembalo); Petra Müllejans (Violine und Leitung), Freiburger Barockorchester
HMC / hm 902181.82 2 CDs mit Bonus Download (24/44)

5 Violinkonzerte
BWV 1041, 1042, 1052, 1055, 1056

Alina Ibragimova (Violine); Jonathan Cohen, Arcangelo
Hyperion/Note 1 CD (96/24 Download bei hyperion) Audiophil

 Diese Neuaufnahmen sind vierfache Spiegel von Werke, die in einer Fassung für Tasteninstrument oder für Geige vorliegen – etwa die Konzerte Nr. 1, 4 und 5 und das Violinkonzert in E-Dur, das Bach zum Cembalokonzert Nr.3 umarbeitete. Und beide „originalen“ Klangvarianten – Cembalo wie Violine - werden hier in Top-Form präsentiert.

Andreas Staier zeigt seinen aktuellen Bach mit der Freiheit eines profunden Meisters, der jede Note kennt und doch eine neue, spontanere Sicht einbringt. Er beruft sich dabei auf Bachs Sohn CPE, der den Solopart improvisatorisch erweiterte, und so lässt auch Staier in einigen Konzerten, etwa [3], seiner Fantasie freien Lauf. Derartiges blieb auf CDs bislang ungehört. Auffällig ist der wuchtige Klang des Cembalos, das nicht – wie so oft und völlig richtig – von den begleitenden Streichern überwältigt wird. Der Nachbau eines zweimanualigen Hamburger Cembalos von H.A. Hass (1734) klotzt mit erstaunlich kräftigem Volumen mit kernigem Bass und Klangnuancen, die Staier stilvoll – etwa in den langsamen Sätzen – einsetzt.

Das Freiburger Barockensemble geht sehr einfühlsam auf die agogischen Spezialitäten des Solisten ein, und die Aufnahme bildet sehr schön das zentrale Cembalo und das rundum aufgestellte Orchester ab. Die Streicher wirken ein bisschen höhenbetont, und ich frage mich, warum das Booklet eine 96/24-Aufnahme auslobt, die auf dem Bonus-Download „bloß“ in 44/24 angeboten wird. Egal, diese Konzerte sind wertvoll in jeder Sammlung und ein Hörerlebnis obendrein!

Alina IbragimovaAlina Ibragimova, die kleine, zarte Geigerin tartarischer Herkunft, ist für ihre Bach-Interpretationen und für ihre blendende Geigentechnik bekannt. Die nunmehr 30jährige Meistergeigerin, die seit 24(!) Jahren auf den Podien steht, bringt traumwandlerisch alle Vorzüge ihrer sonoren Bellosio-Violine (1775) ins Spiel, und es ist beinahe schockierend, welche Inhalte diese Virtuosin uns neu vermittelt. Natürlich liegt das an den sehr schnellen Tempi der Ecksätze, so richtig „italiänisch“, wie es etwa Biondi oder Carmignola vorgeigten. Bach im Kulturaustauschprogramm mit Vivaldi. Ungleich dem viel bekannteren Carmignola spielt Ibragimova nicht nur ebenso halsbrecherisch unterwegs, sondern meistert auch die exponiertesten Stellen (etwa in BWV 1052 [13]) atemberaubend intonationssicher. Selten zuvor strahlten Ecksätze so fröhlich und die langsamen Binnensätze so gefühlvoll und traurig, dass ich diese Aufnahme zur „Entdeckung des Herbsts“ erkläre. Eine sehr aufmerksame Klangregie (David Hinit) bettet die Geige in den sinnlichen Orchesterklang von Arcangelo ein, die ihre himmlischen Einsätze durch geschicktes Rubato, Dynamik-Nuancen und letztlich auch den Einsatz einer zusätzlichen Laute leisten. Wunderbar! Ludwig Flich

 

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